Katwijks Museum

Der Leuchtturm in Katwijk aan Zee

In Katwijk aan Zee gibt es heute nur noch zwei Bauten, die Jahrhunderte alt sind. Es sind der Leuchtturm (der Vuurbaak oder auch Vierboet) und die Andreaskirche am Boulevard, auch Oude Kerk genannt. Die Kirche stammt aus dem Jahre 1465, der Leuchtturm aus dem Jahre 1605. Beide Gebäude sind Reichsbaudenkmäler.

Vierboet, auf dem nachts ein Feuer entzündet werden konnte
Seit Menschengedenken wurde entlang den Küsten gefischt. Das berufsmäßige Fischen jedoch begann vor der niederländischen Küste erst zu Ende des Mittelalters. Erst 1320 trauten sich Fischer aus den südlichen Niederlanden weiter hinaus auf die See. Sie machten nahe der Ostküste von England Jagd auf Hering. Auch Fischer aus Katwijk taten dies. Wie lange es dauerte, bis man den Nutzen eines Leuchtturms sah, ist unklar. Aber bereits vor 1605 stand in Katwijk ein Vierboet (Vuurbaak), ein Baken also, worauf ein Feuer angezündet werden konnte, das den Fischern den Weg nach Hause wies. Wir wissen es heute nicht mehr genau. Aber es ist sehr wahrscheinlich, dass auch dieser Turm aus Stein war. Als 1570 die Küste bei der Allerheiligenflut stark abgeschlagen wurde, war das auch eine große Bedrohung für das Baken. Bei dieser Flut wurden Häuser weggespült, wodurch die Andreaskirche plötzlich nicht mehr in der Mitte des Dorfes stand, sondern direkt am Strand. In einem alten Seemannsbuch taucht 1592 zum ersten Mal der Feuerturm in Katwijk auf. Hierin heißt es, dass vom Meer aus ein deutlicher Kirchturm zu sehen sei und südlich davon ein hoher Feuerturm, der sich leicht mit dem Kirchturm verwechseln ließe. Letztendlich ist dieser Turm entweder von den Dünen abgerutscht, oder man hat ihn abgebrochen und die Steine für etwas anderes benutzt.

Der zweitälteste Leuchtturm der Niederlande
Im Jahre 1605 wurde mehr landeinwärts auf einer Düne ein neuer Turm errichtet. In der Fundierung finden sich sehr große Backsteine, die möglicherweise noch vom ersten Turm stammen. Damit ist der Turm der zweitälteste Leuchtturm der Niederlande. Nur der Brandaris auf Terschelling ist älter (1594) und noch in Gebrauch.

1628 stimmte der Stadthalter Frederik Hendrik der Erhebung einer Steuer für den Unterhalt und das Brennholz des Leuchtturms zu. Auf der Fischversteigerung bekam der Leuchtturmmeister von der erbrachten Summe einen festen Anteil.

Wie man aus einer Abrechnung aus dem Jahre 1817 ersehen kann, hatte die Fischerei ein Interesse an der Instandhaltung und dem Funktionieren des Turmes.

Das Fischerlicht
Das Licht auf dem Katwijker Turm war das sogenannte Fischerlicht. Es wurde nur angezündet, wenn Boote der eigenen Flotte auf See waren.

Das Licht wurde jahrhundertelang von einem Holzfeuer erzeugt, das in einem Eisenkorb oben auf dem flachen Dach des Turmes angezündet wurde. Später wurde das Holz durch Kohlen ersetzt. Ab Mitte des Neunzehnten Jahrhunderts gebrauchte man große Öllampen mit Reflektoren in einem Lichthäuschen. Das war eine enorme Verbesserung. Die Funktion des Leuchtturmwärters übernahmen alte Seeleute.

Mit dem Aussterben der Plattbodenfischerei, rundum 1912, verlor auch der Leuchtturm mit dem dazugehörigen Signalmast seine Funktion.

Die Leuchttürme von Scheveningen und Noordwijk werden an der holländischen Küste noch immer eingesetzt. Der Katwijker Turm ist überflüssig geworden. Aus diesem Grunde wurde er auch nie mit einem kräftigen elektrischen Scheinwerfer ausgestattet.

Die Kriegsjahre
Der heutige Turm wurde 1901 gründlich restauriert. Damals wurden die Mauern verbreitert, was man am Eingang noch deutlich sehen kann. Während des ersten Weltkrieges (1914-1918) wurde der Turm von der Königlichen Marine als Aussichtsplattform benutzt. Der Turm war permanent mit drei Matrosen besetzt. Auch der Signalmast wurde wieder benutzt.

Nachdem der Turm danach erneut seine Funktion verloren hatte, wurden nach 1920 rundum immer mehr Wohnungen gebaut.

In den Kriegstagen vom Mai 1940 wurde der Turm wieder mit Militärs bemannt. Es wurden dort Maschinengewehre positioniert. 1943/44 sind nach dem Bau von Hiltlers Atlantikwall im Auftrage des deutschen Besetzers alle Häuser in der Umgebung des Turmes und die des Boulevards abgebrochen worden. Die Deutschen wollten bei einem Angriff der Alliierten eine freie Schusslinie haben. Glücklicherweise durften die Andreaskirche und der Leuchtturm stehenbleiben. Der Kirchturm wurde jedoch abgerissen.

Ein paar Jahre nach dem Krieg hat man das Gebiet erneut bebaut. An der Nordseite des Turms hat man etwas mehr Raum gelassen, das jetzige Vuurbaakplein.

Seit 1968 kann man den Turm in den Sommermonaten besteigen. Ehrenamtliche Mitarbeiter des Katwijker Museums haben den Turm neu eingerichtet und empfangen die Besucher. Seit 1980 steht während des Sommers auch ein altes Plattbodenschiff vor dem Turm, die KW 88 Zorg en Hoop.

2005 feierte man das 400 jährige Jubiläum des Turms.

In Volkserzählungen hat der Feuerturm von Katwijk noch eine wichtige Rolle gespielt. Während in anderen Teilen der Niederlande die Kinder vom Klapperstorch gebracht wurden oder aus dem Rotkohl kamen, so kamen sie in Katwijk aus dem Vierboet. Wenn man in der Dämmerung am Leuchtturm vorbeilief, konnte man die Kinderchen dort weinen hören…

Aussichtsturm
Heutzutage kann man den Turm als einen schönen Aussichtsturm betrachten. Wenn man die Stufen erklommen hat, kommt man auf die Galerie. Diese liegt ungefähr 30 m über dem Meeresspiegel. Von dort aus hat man einen weiten Blick. Im Süden sieht man Den Haag und Scheveningen (20 km) liegen, und bei klarem Wetter sieht man im Hintergrund die Hafeneinfahrt von Rotterdam. Im Osten liegt Leiden (10 km). Im Norden sieht man Noordwijk, Zandvoort und bei gutem Wetter auch die Hochöfen von IJmuiden (35 km). Im Westen liegt England in einer Entfernung von ungefähr 200 Kilometern.